Klinikaufenthalt im Ausland kann teuer werden

Wer im Ausland ins Krankenhaus muss, sollte darauf achten, dass er keine Privatklinik in Anspruch nimmt. So entschied das Hessische Landessozialgericht (LSG Hessen, Az.: L 8 KR 395/16, Urteil v. 06. 11. 2017).

Ein minderjähriges Kind war im Türkeiurlaub wegen einer Magen-Darm-Entzündung stark dehydriert und wurde vom Hotelarzt mit dem Notarzt in eine ca. 2,7 km entfernte Privatklinik gebracht. Dort wurde das Kind mit Infusionen behandelt und nach zwei Tagen wieder entlassen. Die Klinik berechnete dafür knapp 2.300 €.

Nach dem Urlaub beantragte die Mutter des Kindes bei ihrer gesetzlichen Krankenkasse die Erstattung der Behandlungskosten aus der Türkei und berief sich auf den vor dem Urlaub ausgestellten Auslandskrankenschein. Die Krankenkasse holte daraufhin bei der nach dem deutsch-türkischen Sozialversicherungsabkommen zuständigen Verbindungsstelle die Auskunft ein, welche Kosten für die Behandlung angefallen wären, wenn der Krankenhausaufenthalt durch den türkischen Sozialversicherungsträger als Sachleistung erbracht worden, also die Unterbringung in einem staatlichen Krankenhaus erfolgt wäre.

Aufgrund der erteilten Auskunft erstattete die gesetzliche Krankenkasse lediglich 370 € an die Mutter. Die Mutter klagte vor dem Sozialgericht gegen die Krankenkasse und verlor in zwei Instanzen.

Die Richter beider Instanzen gaben der Krankenkasse Recht. Aufgrund des deutsch-türkischen Sozialversicherungsabkommens sei der Anspruch auf die nach dem türkischen Krankenversicherungssystem zustehenden Leistungen beschränkt. Daher habe die Krankenkasse nur Kosten in Höhe von 370 € zu erstatten. Dieser Betrag wäre für eine Behandlung in dem 12 km entfernten und in einer Fahrzeit von 16 Minuten erreichbaren staatlichen Krankenhaus angefallen.

Es sei nicht ersichtlich, dass das Mädchen aus gesundheitlichen Gründen in der 2,7 km entfernten und in 5 Minuten erreichbaren Privatklinik habe behandelt werden müssen und die zusätzliche Fahrtstrecke mit einer Dauer von 11 Minuten bis in das staatliche Krankenhaus nicht zumutbar gewesen sei. Im Übrigen sei das Kind bereits im Notarztwagen ärztlich betreut worden.


 

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